Anthroposophische Ernährung

R. Steiner hat nie Regeln aufgestellt, wie sich Menschen ernähren sollten, er hat weder für vegetarische Ernährung noch für das Fleischessen plädiert. Sein Anliegen war es, die Ernährung mit Blick auf den Menschen ganzheitlich zu erforschen. In mindestens 17 öffentlichen Vorträgen stellte er seine Forschungsergebnisse vor. Dabei ging er umfassend auf physische und metaphysische Zusammenhänge und Wirkungsweisen der Ernährung und einzelner Nahrungsmittel ein.

Seine Aussagen hinsichtlich Kohlenhydraten, Eiweißen, Fetten, Proteinen und Mineralien, sowie deren Bedeutung ist außerordentlich differenziert. Er beschreibt wie und wo sie im menschlichen Organismus wirken, verarbeitet werden und wie all diese Vorgänge mit der Entwicklung des menschlichen Seelenlebens zusammenhängen. Sehr eindrücklich beschreibt er die Eigenaktivität des Organismus in den unterschiedlichen Verdauungsvorgängen und deren aufbauende Wirkung beispielsweise auf die Willenskraft des Menschen. Seine Vorträge umfassen physische und geistige Aspekte und deren Wechselwirkung. Sie sind zugleich anthropologische und geisteswissenschaftliche Betrachtungen.

Für die zu R. Steiners Lebzeiten schon sehr starke materialistische Auffassung wurden und werden bis heute viele seiner Beschreibungen als, wie er selbst einmal sagte, als „Wischiwaschi“, als Phantastereien abgetan und sie stellen tatsächlich unser Denken, das sehr stark von der heutigen wissenschaftlich-materiellen Denkweise geprägt ist, vor so manche Anforderungen.

Sie laden zum eigenen Wahrnehmen, Beobachten und Forschen ein und nicht zu einer Befolgung von Regeln. Auf diese Weise führen sie mit der Zeit zu einem wachsenden ganzheitlichen Verstehen der Ernährung. Gleichzeitig kann ein lebendiger Sinn für die geistige Dimension reifen, aus der heraus die Erkenntnisse durch R. Steiner erschaut wurden.

So würde ich die „anthroposophische Ernährung“ mehr im Sinne eines individuellen, menschlichen und fachlichen Erkenntnis- und Reifeprozesses verstehen. Ein zentrales Anliegen von R. Steiner war es, dem sogenannten „Ich“ des Menschen einen Raum zur Entwicklung zu eröffnen, der mit Ernährungsanweisungen und rein materiellen Betrachtungen sich nicht ausreichend weiten würde.